Ausgabe 37

Ein Randthema in der Umsatzsteuer ist die Organschaft. Dieser Begriff bedeutet, dass mehrere juristische Personen nur „ein Unternehmer“ sind. Es gibt den Or­ganträger und die Organgesellschaften als ein einziges Unternehmen.

Beispiel: Bei einer GmbH & Co KG gibt es zwei Personen, die haftende GmbH und die Kommanditgesellschaft (vulgo GmbH & Co KG). Beide zusammen sind in der Regel nur ein umsatzsteuerlicher Unternehmer, es liegt eine Organschaft vor.

Die Organschaft ist nicht an Anträge, Bescheide oder Ähnliches gebunden (wie die Gruppenbesteuerung im Bereich der Körperschaftsteuer). Sie entsteht kraft Gesetz bei Erfüllung der Voraussetzungen (es muss sowohl finanziell als auch wirtschaftlich und organisatorisch eine Eingliederung vorliegen).

Auf den ersten Blick mag dies nicht besonders heikel sein. Übersieht man die Organschaft, und es werden z.B. Verrechnungen zwischen GmbH und GmbH & Co KG mit Umsatzsteuer vorgenommen, so fällt einmal Umsatzsteuer an, einmal besteht Vorsteuerabzug. Für einen Prüfer ist daher „nichts zu holen“.

Bisher war die „wirtschaftliche Unterordnung“ einer Gesellschaft zum Organträger eine Notwendigkeit. Diese Unterordnung ist durch ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs weggefallen. Interessant wird es in zwei Fällen:

  1. Der Unternehmer will den Vorsteuerabzug für Vorleistungen beanspruchen, er tätigt jedoch in größerem Umfang unecht steuerbefreite Umsätze. (Dies machen Banken, Versicherungen, Bildungseinrichtungen, Ärzte; die Vermietung von nicht für Wohnzwecke genutzten Objekten fällt darunter; gemeinnützige Organisationen sind betroffen …).

    Im Falle der Organschaft „wechselt“ der Unternehmer. Es sind nicht mehr die Verhältnisse der Gesellschaft, die die Leistungen bezieht, ausschlaggebend. Entscheidend für den Vorsteuerabzug ist der Außenumsatz der gesamten Organschaft (alle Gesellschaften, die in der Organschaft sind). Verrechnungen untereinander sind nicht steuerbare Innenumsätze.

    Damit hat man zwei Probleme:
    a) Umsatzsteuer kraft Rechnungslegung bei Versagung des Vorsteuerabzugs
    b) eventuell kein Vorsteuerabzug für Vorleistungen

    Man erzeugt also Umsatzsteuer aus dem Innenumsatz und verliert den Vorsteuerabzug auf Vorleistungen.
     
  2. Der zweite Fall betrifft unternehmerische Entscheidungen wie zum Beispiel das Outsourcing – die Auslagerung von Tätigkeiten in eine eigene Körperschaft. Lagert eine unecht befreite Körperschaft Tätigkeiten aus, so ergibt die Leistungsverrechnung, dass die ausgelagerten Leistungen zusätzlich mit Umsatzsteuer behaftet und damit um 20 % teurer werden. Diese Umsatzsteuer kann durch eine umsatzsteuerliche Organschaft, die nunmehr leichter umzusetzen ist, vermieden werden.
  • Liebhaberei: Damit die Wohnung/Liegenschaft überhaupt steuerlich relevant ist, muss innerhalb von 20 – 23 Jahren ein Gesamtüberschuss erzielt werden. Wenn ein Objekt einkommensteuerlich Liebhaberei ist, kann es aber dennoch umsatzsteuerlich relevant sein.
    Faustregel: Beim derzeitigen Zinsniveau und den aktuellen Mietpreisen führt eine Fremdfinanzierung von mehr als der Hälfte des Werts der Anschaffungskosten der Wohnung meist zu Liebhaberei.
     
  • Abschreibung: Vom Wert der Wohnung oder den Anschaffungskosten sind zwischen 20 und 40 % für den nicht abschreibbaren Anteil des Grund und Bodens abzuziehen. Der verbleibende Betrag ist mit 1,5 % (Baujahr ab 1915) und 2,0 % (Baujahr vor 1915) abzuschreiben.
     
  • Anschaffungskosten: Dazu gehören der Kaufpreis (entweder mit oder ohne Umsatzsteuer), die Grunderwerbsteuer, die Eintragungsgebühr und Notar/Rechtsanwaltskosten, Maklerprovision und Ähnliches …
     
  • Finanzierungskosten gehören nicht zu den Anschaffungskosten: strikte Trennung zwischen Investition und Finanzierung (Aktiv- und Passivseite).
     
  • So weit, so klar: Der Teufel steckt im Detail (und führt immer wieder zu Diskussionen mit der Finanz)!
     
  • Konzeptionskosten: Diese dienen der Ausarbeitung der wirtschaftlichen und steuerlichen Grundkonzeption, dem Marketing, den Beratungen vor dem Kauf, den Besichtigungen, Sachverständigenkosten und dergleichen.Alles Anschaffungsnebenkosten!
     
  • Finanzierungsberatung, Kreditvermittlung und Nebenkosten: Grundsätzlich sind alle diese Kosten, wie z. B. auch die Hypotheken-Eintragungsgebühr sofort abzugsfähig. Allerdings: Einmalige Finanzierungskosten sind auf die Laufzeit des Kredits aufzuteilen.
     
  • Baubetreuung ist zu aktivieren und mit 1,5 % abzuschreiben.
     
  • Hausbetreuung und Hausverwaltung bis zur Übergabe sind zu aktivieren und mit 1,5 % abzuschreiben.
     
  • Hausbetreuung und Hausverwaltung sowie Betriebskosten für Leerstehung nach der Übergabe sind sofort abzuschreiben.

Seitens unserer Kammer (die seit 1.1.2018 „Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer“ heißt) wurden uns vor einiger Zeit geänderte Muster für Auftrag, Vollmacht und Allgemeine Auftragsbedingungen versprochen. Sobald diese verfügbar sind, werden wir sie auf unsere Homepage stellen (www.hwpa.at, www.hoepa.at, www.wtghw.at).

Wir werden Ihnen außerdem in den nächsten Monaten (wieder einmal) neue Vollmachten, Aufträge und AAB’s zusenden.
Diese Vereinbarungen gelten für alle Aufträge, die ab dem 25.5.2018 bearbeitet werden.

Seitens unserer Kanzlei werden einige Veränderungen vorgenommen:

  • ƒ Selbstverständlich erfolgt pflichtgemäß die Löschung der vor dem 1.1.2010 angefallenen Daten.
  • ƒ Die uns auferlegten Dokumentationspflichten werden mit Hilfe unserer zentralen BMD-Software erfüllt.
  • ƒ Wir werden dazu übergehen, Anhänge von E-Mails, die personenbezogene Daten enthalten, in verschlüsselter Form zu übermitteln.
  • ƒ Und wir müssen für jeden Kunden umfangreiche Formulare zur Geldwäsche-Prävention und Terrorismusbekämpfung ausfüllen. Wir ersuchen Sie um Ihr Verständnis und Ihre Geduld …

Kursverluste oder -gewinne bei Fremdwährungskrediten im nichtbetrieblichen Bereich waren in der Regel steuerlich unbeachtlich, sobald man aus der alten Spekulationsfrist von einem Jahr draußen war. Für neue Fremdwährungskredite (ab 2012) ist die Rechtslage ungeklärt, es gibt jedoch in diesem Zeitraum nur sehr wenige fx-Kredite im nichtbetrieblichen Bereich.

Für „private“ fx-Kredite mit einer Aufnahme vor 2012 gilt: Gewinne/Verluste sind nur innerhalb der 1-Jahr-Spekulationsfrist zu beachten. Zinsen sind (bei Vermietung) im Rahmen der Werbungskosten absetzbar.

Im betrieblichen Bereich stellte sich die Frage, ob Verluste aus der Konvertierung von Fremdwährungsdarlehen „ganz normal“ steuerlich zu berücksichtigen sind oder mit der Hälfte-Abzugs-Beschränkung, die als Sondersteuer­ermittlung für betriebliche Einkünfte von Kapitalveranlagungen gilt. Klingt kompliziert und ist es auch.

Hat z.B. eine OG oder KG oder ein Einzelunternehmer im Betriebsvermögen ein Wertpapier, so werden die Erträge daraus mit der 27,5 % KESt versteuert. Kommt es zu einem Verlust aus dem Verkauf des Papiers, so ist dieser nur mit 45 % (unterstellter Höchststeuersatz von 55 %) anzusetzen. Damit soll ein Ausgleich für die günstigere KESt geschaffen werden.

Nunmehr war die Frage, ob Verluste aus fx-Krediten nicht auch unter diese Regelungen fallen. Der Verwaltungsgerichtshof meint: Nein! Ausgleich der Verluste zum Tarif bzw. ohne Kürzung. Dies ist auch richtig. Kapitalvermögen findet sich auf der Aktivseite der Bilanz, ein Kredit auf der Passivseite. Auch wenn es negative Zinsen usw. gibt, ein Kredit bleibt ein Kredit.

 

 
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